Gottesdienste in Corona-Zeiten

In den Gottesdiensten erleben und feiern Christinnen und Christen die Gemeinschaft mit Gott und untereinander. Die frohe Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus, die im Gottesdienst verkündigt wird, ist der größte Schatz der Kirche. Aus ihr gewinnen Menschen Kraft und Hoffnung, erfahren sie Orientierung und Sinn. So steht auch in unserem Gemeindebezirk der Gottesdienst im Zentrum des Gemeindelebens.


Im Martin-Luther-Haus finden in der Regel an jedem Sonntag und allen kirchlichen Feiertagen Gottesdienste statt. Bis auf wenige Ausnahmen beginnen diese um 10.30 Uhr.

Die aktuellen Gottesdienstankündigungen für das Martin-Luther-Haus und alle anderen evangelischen Kirchengemeinden in Minden finden Sie auf den Internetseiten des Kirchenkreises Minden. Direkt gelangen Sie dorthin, wenn Sie hier klicken.

Hier bieten wir Ihnen demnächst Andachten zu den Sonntagen während der Corona-Zeit.

Predigtbriefe zum Mitnehmen gibt es in Papier-Form unter dem Briefkasten rechts neben der Eingangstür des Martin-Luther-Hauses.

Andacht für den Sonntag Kantate, 2. Mai 2021, Pastor Andrés López

 

 

Sonntag Kantate 2021

Lukas 18,37-40
37Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 38und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 39Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Liebe Lesende,

Die evangelische Frömmigkeit, so wie der liturgische Kalender der evangelischen Kirche in Deutschland für diesen Sonntag expliziert, wäre mit allen ihren Prägungen ohne die Musik nicht denkbar. Denn der Sonntag Kantate ist ein singender Ausdruck der Freude, die aus der Begegnung mit Jesus Christus entsteht. „Um Musik und Gesang drehen sich die biblischen Lesungen am Sonntag Kantate (Singt!): Der erleichterte Dank der Geretteten, das mächtige Loblied der Geschöpfe Gottes, das besänftigende Harfenspiel und der mutige Gesang, der Kerkermauern sprengt – sie alle vereinen sich zu einem vielstimmigen Lob Gottes. Dort, wo sein Name so besungen wird, dort ist Gott ganz nah. Kein Bereich des Lebens soll von diesem Lob ausgeschlossen sein, keiner ist zu gering für diese Musik. Je mehr unser Leben zum Gesang wird, desto stärker wird uns dieses Lied verändern zu liebevolleren und dankbaren Menschen“ (www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#967). Dies teilt unser liturgischer Kalender einladend mit.

Aber wir dürfen leider noch nicht gemeinsam singen. Ich möchte aber alle dazu einladen, egal ob zu Hause oder unterwegs, nämlich da, wo Sie sich befinden, ein Lied zu singen.  Einsam vor Gott oder mit anderen in der Familie. Als Gebet um Kraft, als Dankbarkeit, als Zeichen der Hoffnung. Egal ob leise oder laut. Beim christlichen Singen erfahren wir Gefühle, Erinnerungen und Fantasie, um Probleme zu überwältigen, Schmerzen auszuhalten, die Hoffnung zu füttern und diese zu verbreiten. Meine Mutter in Chile, die Olga heißt, hat den biblischen Texten immer wieder unterschiedliche Melodien gegeben, um die Botschaft der Texte zu singen, wenn sie nicht die klassischen Kirchenlieder sang. Am Sonntag Kantate denke ich besonders an sie. Das Singen verbindet uns. Und auch viele Christen in der Welt. Lasst uns heute mit allen – auch nur im Herzen- singenden Christen verbinden.

Pfarrer Andrés López

Andacht für den 25.04.2021 von Pastor Andrés López

Das Evangelium als Kraft Gottes, besonders in schwieriger Zeit.

Römer 1, 16-17.

16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. 17 Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

Aus der Botschaft dieses Textes, aber berufen auf die gesamte Theologie des Apostels Paulus, artikulierte Martin Luther die sogenannte Rechtfertigungslehre, welche lehrt, wir sind aus Gnade geliebt und erlöst, d.h. ohne die Mühe des Menschen bzw. ohne menschliche Werke. Durch Christus haben wir Zugang zu Gott und damit zu seiner Liebe und Vergebung. Aber wie verhält sich diese Art evangelisches Glaubensverständnis zu unserem Alltag? Besonders in einer schwierigen Zeit wie diese, in welcher wir coronabedingt leben? Wir erfahren die letzten Monate immer wieder Widersprüche und Konflikte, die die Pandemie bereitet und aufgrund der Prognosen des Ganzen.

Konflikte unterschiedlicher Art können aber immer wieder entstehen. Fundiert in der Gnade Gottes können wir Christen doch sagen, dass mit den Problemen auch die Möglichkeit entsteht, kreativ und kooperativ Lösungen und neue Wege zu entdecken. Theologisch verstehe ich diese Haltung auf dem evangelischen Rechtfertigungsverständnisses basiert, indem die Begrenztheit und Zerbrechlichkeit der Anderen meine eigene Begrenztheit und Zerbrechlichkeit zur Erinnerung bringen. Denn wir alle brauchen die Gnade Gottes und damit Hilfe, um besser zu verstehen und besser zu handeln. Ein Plädoyer für ein bisschen Verständnis für Andere heißt somit auch ein Plädoyer für ein bisschen Verständnis für mich. Offenheit für Gott und für das, was aus uns im Glauben an Jesus Christus wird, setzt zugleich Offenheit für die Anderen voraus. Wir brauchen Dialog und auch Auseinandersetzung, aber ohne zu vergessen, dass das Fundament unserer Existenz im Evangelium besteht, im Glauben an Jesus Christus, aus welchem wir in der Welt handeln.

Dadurch geht Paulus um eine universelle Erlösungsbedürftigkeit. Wir alle brauchen die Gnade Gottes, wir alle brauchen Vergebung. Wir alle brauchen Hoffnung. Das Evangelium, liebe lesende, gibt uns die echte Hoffnung, die in der Liebe Gottes fundiert ist und uns besonders in schwierigen Situationen zu lieben ruft. Amen.

Pfarrer Andrés López

Andacht für den 18. April 2021 / Sabine Bade

Liebe Mitlesende dieser Andacht für den 18. April 2021!

Für diesen Sonntag hat unser Bundespräsident zum Gedenken der Corona-Opfer aufgerufen.

Heute Morgen (am 16.04., wenn ich diese Zeilen schreibe) sind fast 80.000 Menschen mit Corona verstorben – und das `nur´ unter uns in Deutschland. Doch wir denken ja nicht nur an sie und das oftmals einsame Sterben; wir denken auch an ihre Angehörigen, die sich oft nicht verabschieden konnten; wir denken an PflegerInnen, an Ärztinnen und Ärzte, die so unendlich viel leisten in dieser Zeit. Und Corona-Opfer sind doch all diejenigen, die die Krankheit zwar überwinden, aber mit erheblichen Langzeitfolgen zu kämpfen haben. Und ich denke, Corona-Opfer sind auch Kinder, die sich kaum trauen, ihre Eltern in den Arm zu nehmen, und was müssen Jugendliche und Kinder meistern, denen seit über einem Jahr keine unbefangenen Kontakte mit Gleichaltrigen möglich sind. Und jede und jeder von uns könnte noch ganz eigene Geschichten zu Corona erzählen.

Ein Tag des Innehaltens, des Erinnerns an die, die uns fehlen und ein Tag des Fragens: Was gibt Mut und Kraft und Halt in diesen Zeiten – das möge uns dieser 18. April sein.

Krankheit, Schmerz, Tod und Verlust haben wir auch schon vor Corona gekannt. Wir Jüngeren, die nicht mehr Krieg erleben mussten und in Deutschland geboren sind, haben all dies gewiss nicht in diesem Ausmaß, wie zurzeit, erleben müssen. Doch jeder und jede, die einen lieben Angehörigen verloren hat, weiß um Warum-Fragen, um Fragen: Wo bist Du, Gott, bist Du überhaupt?

Mir hat vor vielen Jahren die Geschichte von den Spuren im Sand sehr geholfen: Ein Mensch sieht im Traum sein Leben wie in Szenen vor seinem inneren Auge vorbeigleiten. Zu den verschiedenen Episoden seines Lebens sieht er jeweils zwei Paar Fußspuren im Sand: seine und Gottes. Nur da im Leben, wo es sehr hart gewesen war, sieht er nur ein Paar Fußspuren. Und so fragt der Mensch – im Traum – sehr aufgebracht: „Du hast versprochen, immer mit mir unterwegs zu sein. Doch da in meinem Leben, wo es schwer war, da sehe ich nur ein Paar Fußspuren. Wo warst Du da, Gott?“ Und die Geschichte erzählt, Gott antwortet: „Mein Kind, da im Leben, wo es für dich kaum weiterging, da habe ich dich getragen auf meinen Armen. Das eine Paar Fußspuren, das du gesehen hast, das sind meine – Gottes…“

Manchmal können wir das erst im Nachhinein sagen: „Ja, da hat Gott mit durchgetragen, sonst wäre es gar nicht gegangen.“ So habe ich das erfahren. Und alle Warum-Fragen im Leid gehören zu unserem Mensch-Sein. Und Jesus hat im Garten Gethsemane doch auch gebetet: „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen!“

Christenmenschen dürfen vertrauen: „Ich bin nicht allein. Gott ist an meiner Seite. Und wenn es gar nicht geht, dann trägt er mich.“ Und dann gibt es hoffentlich auch Menschen neben uns und für uns: Auch dies ist Vertrauen in die Gemeinschaft Jesu Christi, die sich Gemeinde nennt.

Ein Lied aus den `Wortlauten´ (WL 50) sagt es so: „Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander sehn, Sorgen, Freuden, Kräfte teilen und auf einem Weg gehen. Gut, dass wir nicht uns nur haben, dass der Kreis sich niemals schließt und dass Gott, von dem wir reden, hier in unserer Mitte ist.“

                                                                           Ihre Sabine Bade

Tel. 0571/41539, JoergundSabineBade@web.de, Homepage: www.martinlutherhaus-minden.de,

Offene Kirche Sonntag 10.00 bis 11.30 Uhr, Mittwoch 16.30 bis 18.00 Uhr

Andacht für den 11. April - Pastor Andrés López

Andacht Sonntag 11.04.2021
Martin-Luther-Haus. Minden.

Psalm 126.

1 Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. 2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan! 3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. 4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. 5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. 6 Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Ohne Kreuz gibt es keine Auferstehung. Daran glauben wir Christen, indem wir das Kreuz Jesu und dann die Auferstehung Christi in verschiedenen Formen im Laufe unseres Lebens erfahren. Der Psalmist teilte diese Art von Erfahrung mit Gott mit. Dadurch unterscheidet er zwischen naivem Optimismus und Glauben an Gott. Im Glauben an Gott können wir nicht alles verstehen. Wir nehmen das Böse, die Ungerechtigkeit und Probleme wahr und leiden auch darunter. Wir erwarten nicht nur das Gute. Sondern warten auf Gott. Denn wir glauben, wir sind in seinen Hände. Biblisch gesehen ist Gott verborgen und lässt sich in der Einfachheit spüren.

Diesbezüglich meinte der deutsche Theologe Rudolf Bultmann, „wir können nicht die Rätsel unseres Lebens lösen. Wir können weder aus einer scharfsinnigen Lösung aller Lebensrätsel den Beweis dafür gewinnen, daß Gott im Regimente sitzt und alles wohl führet; noch haben wir umgekehrt in unserem Gottesglauben ein Mittel, alle Rätsel zu lösen. Gottes Wille hat kein Warum. Wohl aber können wir die Kraft gewinnen, alle Rätsel unseres Lebens zu tragen; dann nämlich, wenn wir die Frage: Was werden wir…? nicht Herr werden lassen über uns, sondern wenn wir im Ernste trachten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Ja wir werden dann nicht nur die Kraft gewinnen, die Rätsel zu tragen, sondern mehr und mehr innewerden, was Gott uns durch solche Rätsel schenken will: innere Freiheit und Ruhe. Und immer offener wird unser Auge werden für das, was er uns in dem geschenkt hat, der und durch sein Wort zu dieser Freiheit ruft, in Jesus Christus“[1].

Liebe Gemeinde, mitten in der Coronazeit sind wir durch die Worte des Psalmisten und der Explikation Bultmanns angesprochen, um das Wesentliche der Existenz zu erkennen, Prioritäten zu setzen und damit Vertrauen in Gott zu gewinnen Amen.

Pfarrer Andrés López

 


[1] R. Bultmann, Marburger Predigten. J.C.B Mohr (Pauls Siebeck), Tübingen 1956, s. 25

Andacht zu Ostern - der gemalte Hoffnungsträger / Jörg Bade

Zu Ostern: Mathias Grünewald malt den Hoffnungsträger

Liebe Mitlesende am Osterfest 2021!

„Er ist erstanden.“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ So lautet der Gruß der Christinnen und Christen am Ostermorgen, wie er sich besonders in der orthodoxen christlichen Tradition durchgesetzt hat. So grüßen sich auch die Leute am Martin-Luther-Haus gerne, wenn das Fest der Auferstehung in der Vorlaenderstraße gefeiert wird. Warum enthält dieser Ostergruß eine Aussage und als Antwort einen zweiten Satz? Nun, der ist eine Bestätigung, eine Bekräftigung. Machen wir uns klar, was uns die Ostergeschichten erzählen.

In der ältesten Ostergeschichte kommen die bekanntesten Personen unter den Frauen in der Nachfolge Jesu zu seinem Grab. Sie wollen, nach alter jüdischer Zählung am dritten Tag nach dem Tag der Kreuzigung, den Leichnam Jesu versorgen, pflegen, ölen. Man weiß nach der Erzählung des Neuen Testaments sogar, dass offensichtlich Joseph von Arimathia seine Grabkammer zur Beisetzung Jesu zur Verfügung gestellt hatte. Die Frauen aber finden ihren toten Herrn und Meister nicht. Das Grab ist leer. Sie sind entsetzt. Sie eilen zu den führenden Männern in der Jüngerschaft Jesu. Es schließen sich viele andere Ostererzählungen an. Jesus erscheint in den vierzig Tagen nach Ostern seinen Jüngern. Das eine Mal wirkt der Auferstandene ganz handfest und lässt seine Wundmale von Thomas anfühlen, ein anderes Mal erscheint er vor allem überraschend unter seinen Leuten als der Hoffnungsbote mit den Worten „Fürchtet euch nicht!“ Schon in der Bibel wird der Verdacht nacherzählt, manche hätten gemeint, die Geschichte mit dem leeren Grab sei nur von seinen Anhängern inszeniert. Aber dann weht zu Pfingsten der Geist der Ermutigung. Sie erzählen es weiter. Von Jerusalem tragen Männer und Frauen diese Botschaft der Hoffnung – wie es die Apostelgeschichte ausdrückt – über Judäa und Samarien bis an das Ende der Welt.

Der Maler Mathias (Mathis Gothart) Grünewald hat diese Osterbotschaft in ein Bild hineingemalt. Grünewald lebte zur Zeit Martin Luthers und starb wohl in Halle an der Saale. Auf einem Flügelbild seines berühmten Isenheimer Altars ist auch der Einsiedler Antonius abgebildet. Er war seit der Alten Kirche ein Schutzpatron der Krankenpflege. Mit ihm identifizierten sich auch die Menschen im Mittelalter, wenn sie die Opfer der Mutterkornvergiftung pflegten. Lebt wie Christus! Der war bei den Menschen, die krank oder ausgestoßen waren. Er war für die da, die ihn am meisten brauchten. Das sollten wir auch tun. Grünewald hat also die Bilder vom Kreuz Jesu eindrücklich gemalt. Und dann dieses Bild vom Auferstandenen auf dem rechten Flügelbild! Es könnte aus der Zeit von Andy Warhol stammen. Ist aber fünfhundert Jahre alt.

Christus, der Mitleidende, ist nun der Sieger. Auferstehung ist Gottes Sieg über Tod und Elend. Jesus fliegt fast aus dem Grab, aber die Wundmale in den Handinnenflächen zeigen: Der Auferstandene ist der derselbe wie der Gekreuzigte. Ostern – das ist das Fest der Hoffnung. Wenn die Menschen in der Antike sich vor der Mutterkornvergiftung oder im Mittelalter vor der Pest mit Recht fürchteten, dann mögen wir das heute auch tun angesichts des Corona-Virus und seiner Mutanten. Aber hier ist der Grund der Hoffnung gemalt. Der im Leid solidarisch an unserer Seite ist, den hat Gott schon längst aus dem Tod befreit. Er ist uns voraus. Deshalb ist Jesus Christus der Hoffnungsträger. Das wollen wir ja auch Ostern 2021 nicht vergessen.                           Jörg Bade

Andacht zum Karfreitag 2021

KARFREITAG 2021

Das Wort vom Kreuz als Weisheit und Kraft Gottes 

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft. 1 Kor 1, 18.

Der Apostel Paulus proklamiert, im Kreuz Christi legt Gott sein Wort offen, welches ruft, anspricht und einlädt, damit wir das Wesentliche der Existenz erfahren. Paulus versteht und erklärt das Evangelium somit nicht als ein Angebot neben anderen, sondern als die wahre Möglichkeit des Seins. Im Gegensatz zum heutigen Konsumsystem handelt es sich nicht um ein anziehendes Angebot, dass egoistische Profit anbietet. Denn das Wesentliche wird in der Hingabe offenbart. In der Identifikation mit den Leidenden. In der Hoffnung eines neuen Anfangs, die in der Auferstehung Christi signalisiert wird.

Das Kreuz ist somit ein Moment eines erlösenden Ereignisses, das in der Auferstehung Christi vollendet wird.  Dadurch sagt uns das Evangelium, dass Gott in unserem Leiden, Versagen und in unserer Zerbrechlichkeit gegenwärtig ist, und dass wir mitten in unserer Trauer oder sogar in der Sinnlosigkeit hoffen können, Gott wird uns einen neuen Weg zeigen. Das Kreuz signalisiert zugleich, alle menschliche Programme genügen nicht. Partei-politische Auffassungen, Utopien, Ideale mögen gut sein, aber Gott spricht am Kreuz Christi an. Gott konfrontiert unserer Machtträume und Wahrheitsansprüche und expliziert seine Gegenwart in den schwierigen Momenten, indem er zum Neuen ruft und Neues schafft.

Liebe Gemeinde, ohne Kreuz gibt es keine Auferstehung. Aber es gibt auch kein Kreuz ohne Auferstehung. Nach Paulus´ Auffassung gehören Kreuz und Auferstehung zusammen und bringen das Heil, und zwar hier und jetzt, wo wir uns heute befinden. Diesbezüglich ist Jesus Christus das Wort und die Kraft Gottes, die uns immer wieder in der Annahme des Evangeliums, in der Gemeinschaft der Christusgläubigen und in der Hingabe lebendig macht. Amen.

 

Pfarrer Andrés López

Andacht zum Gottesdienst Palmarum, 28.03.2021

                                                                                                             im März 2021

Liebe Mitlesende dieser Andacht,

an diesem Sonntag (28.3.) lesen wir die Geschichte vom Einzug Jesu nach Jerusalem. In einigen Tagen wird nach damaliger Tradition ein großes Fest gefeiert: Pessach oder Passah – das Fest, das vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten erzählt. Das Fest, das von der Flucht unterdrückter Menschen in die erhoffte Freiheit, in ein besseres Leben erzählt. Und Gott geht in allem mit (2. Buch Mose).

Viele Menschen strömen nach Jerusalem, um dort in der Hauptstadt, wo der große Tempel, Gottes Haus mit der Erinnerung an die Zehn Gebote steht, zu feiern. Alle Evangelien erzählen von Jesu Einzug nach Jerusalem (Matthäus 21, Markus 11, Lukas 19, Johannes 12). Alle vier Evangelien erzählen, dass Menschen Jesus zugejubelt haben, mit Palmzweigen gewunken haben. Das hat dem Sonntag dann auch den Namen Palmarum gegeben. Jesus wird wie ein König begrüßt: „Hosianna dem Sohn Davids. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“ (Mt 21,9) wurde gerufen. – Und einige Tage später: „Kreuziget ihn!“ Und Jesus wurde tatsächlich gekreuzigt, wie ein Verbrecher.

Wie kann man diesen Umschwung verstehen – so radikal? Einige Ausleger meinen, die, die Jesus `am Palmsonntag´, also beim Einzug nach Jerusalem zugejubelt haben, das waren oft BesucherInnen aus den Dörfern Galiläas und Judäas und Samariens. Menschen, die Jesus auf seinen Wanderungen erlebt hatten. Menschen, die von seinen Worten berührt waren. Die vielleicht erlebt hatten, wie er für Menschen in Not da war – geheilt, geteilt, gesegnet, zugehört hat.

Und Karfreitag, am Tag der Kreuzigung, waren eher die laut, die in Jesus sich und ihren Glauben radikal in Frage gestellt sahen. Zum Beispiel durch Jesu Auslegung der Feiertagsruhe, des Sabbats. Selbstverständlich hat Jesus am Sabbat geheilt, denn „der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat. In Regeln muss es immer um Lebensmöglichkeiten für Menschen gehen, nicht um Lebensverhinderungen. Da war Jesus ganz klar.

Auf jeden Fall ist die Geschichte vom Palmsonntag und Karfreitag auch eine Geschichte, die davon erzählt, wie Masse uns Menschen beeinflussen kann. In diesen Tagen hat in Minden ein 80jähriger gegen Corona-Beschränkungen in unserem Kreis protestiert. Im Netz hat die Partei AfD sich dem sehr stark angeschlossen. Der Mann lässt seinen Protest ruhen, weil er nicht vereinnahmt werden möchte, obwohl er inhaltlich bei seinen Protestaussagen bleibt.

Jesus hat sich hinbegeben zu den Menschen und ihrem Leben. In den vergangenen Wochen hat mich sehr beeindruckt, wie Herr Stamp, als Minister in NRW zuständig für Kindertageseinrichtungen, bisher nach seinen Aussagen drei Mal Tagespraktika in Kitas gemacht hat, um im Alltag Sorgen von Kindern, ErzieherInnen und Eltern unter Corona kennenzulernen und bei seinen Entscheidungen mit zu berücksichtigen. Auch wenn man deshalb nicht seiner Partei zuneigen muss, beeindruckt mich, dass ein Minister sagt: Ich muss doch eine Anschauung haben von dem, über das ich entscheide.

Palmarum fragt uns, wem wir zujubeln. Übrigens ist Jesus auf einem Esel nach Jerusalem eingeritten. Meistens war er nach den neutestamentlichen Erzählungen zu Fuß unterwegs. Palmarum fragt uns also auch: Lassen wir diesen `so ganz anderen König´, der bis ans Kreuz gegangen ist, in unser Herz, unser Sein und Tun einziehen? Ein Adventslied sagt es so:

EG 1 „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein.“

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Karwoche. Die Öffnungszeiten im Martin-Luther-Haus von Palmsonntag bis Ostermontag entnehmen Sie bitte dem Schaukasten oder unserer Homepage. Wir bereiten einen kleinen Kreuz- und Osterweg zum Sehen, Mitmachen, Mitbeten vor.

Bleiben Sie behütet

                           Ihre Sabine Bade

 

Telefon im Pfarrhaus: 0571/41539, Email: JoergundSabineBadedontospamme@gowaway.web.de, Homepage: www.martinlutherhaus-minden.de

Andacht für den 21.03.2021

Andacht 21.03.2021

Martin-Luther-Haus

Minden

12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1 Kor. 13, 12)

Es gibt im Moment wenige Optionen, anderen zu begegnen und sich selbst im Treffen mit Anderen wahrzunehmen. Andererseits wird fast alles digitalisiert. Man muss dann vor einem Bildschirm sein, um das gesellschaftliche Leben nicht zu verpassen. Diese scheinbare freie Welt führt uns zugleich zur Abhängigkeit von elektronischen Apparaten und zum neuen Formen von Konsum. Ohne zu erwähnen, wie schädlich das Licht eines Handys für Gehirn und für die Augen ist.

Aber bitte, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte die Technologie nicht verteufelt. Denn sie kann uns auch im Alltag helfen. Die Frage, die ich stellen möchte, geht primär um das Wesentliche menschlicher Existenz und lautet: was brauchen wir unbedingt zu leben? Ich würde im Anschluss am Apostel Paulus sagen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Nach Paulus ist die Liebe das größte.

Liebe ist aber nicht nur ein Gefühl, sondern auch Tun. Wie wir Liebe erfahren oder Liebe in die Tat umsetzen, hängt von vielen Faktoren ab.  Im Neuen Testament wird die Liebe Gottes im Christusgeschehen als Hingabe (am Kreuz) erklärt, die Vergebung verheißt und Hoffnung auf ein neues Leben, auf einen neuen Anfang (Auferstehung) signalisiert. Hingabe, Vergebung und Hoffnung werden dadurch im Wissen unsere eigene Zerbrechlichkeit zu Möglichkeiten, unsere Liebe und unseren Glauben hier und jetzt zu vollziehen. Das heißt da, wo Sie sind und den Alltag verbringen sowie auch bei uns in der Gemeinschaft der Christusgläubigen. Amen.

Pfarrer Andrés López

 

Andacht für den 14.03.2021

                                                                                                      14. März 2021

Liebe Mitlesende dieser Gedanken!

Diese Woche habe ich mit den Erzieherinnen in unserem Kindergarten einen Gottesdienst für Ostern vorbereitet. Immer wieder ist das eine Frage: Wie sprechen wir mit 2-6jährigen über Tod und Auferstehung? Ist das nicht viel zu schwer für so kleine Kinder? Wie können wir Erwachsenen das Kreuz verstehen: Jesu Sterben – Hoffnung für uns Menschen? Nicht leicht zu begreifen.

Frühling zu feiern ist mit Kindern auf jeden Fall leichter. Und dann bin ich jedes Jahr wieder in den Vorbereitungen angerührt, wie leicht es uns doch unser Gott macht mit Bildern aus der Natur.

Das Wort für diesen Sonntag, drei Wochen vor Karfreitag und Ostern, steht im Johannesevangelium (12,24). Jesus sagt zu den Menschen: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Wir werden dieses Jahr mit den Kindern nicht Weizen aussäen, sondern Kresse. Sie wächst schneller und kann gut mit nach Hause genommen werden.

Ein kleines Korn, in die Erde gelegt, geht auf, bringt viel Frucht: bunt und lebendig und nahrhaft. So hat sich Jesus gesehen. Nicht der Tod hat das letzte Wort, in Jesus schenkt Gott uns die Hoffnung auf Leben. Neues ist möglich. Jahr für Jahr zeigt uns das Gottes Natur, wenn es Frühling wird.

Wir können unsere Augen und Herzen dafür aufmachen. Auch dieses Jahr, und vielleicht gerade dieses Jahr: Wo schwankende Inzidenzzahlen, persönliches Leid, materielle Ängste es schwer machen, Farben, Hoffnung, überhaupt sehen zu können.

 

In einem Gesangbuchlied (EG 98)lese ich die Worte:

Strophe 1: „Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt – Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“

Strophe 3: „Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn – hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.“

In unserem Kindergarten feiern wir auch dieses Jahr einen Frühlingsgottesdienst, der von unserer Osterhoffnung auf Leben, Farbe, Licht und Liebe erzählen will.

                                                               Ihre Sabine Bade

 

 

Tel: 0571/41539  Email: JoergundSabineBadedontospamme@gowaway.web.de   Website: www.martinlutherhaus-minden.de

 

In der Passionszeit ist das Martin-Luther-Haus auch jeden Freitag bis Karfreitag (dann von 10.00 bis 11.30 Uhr) von 16.30 bis 18.00 Uhr geöffnet. In dieser Zeit gibt es auch eine halbe Stunde meditative Orgelmusik (17.00 – 17.30 Uhr).

 

Andacht für den 7.3.2021 von Pastor Andrés López

Andacht Sonntag 07.03.2021

Martin-Luther-Haus

16 Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen. 17 Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht (Habakuk 2,4): »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«

Romer 1, 16-17

Gerechtigkeit bringt Frieden. Dieser Satz bildet das biblische Glaubensverständnis. Wir können aber nicht die Gerechtigkeit durchsetzen. Vor allem wenn wir merken, wir machen selbst viele Fehler. Darin liegt doch die gute Nachricht des Evangeliums Christi: Gott vergibt unsere Fehler, damit wir uns befreit fühlen. Der Vergebung soll die Bereitschaft folgen, dass wir andere verstehen und ihnen sogar vergeben, wenn diese uns nichts Gutes tun. Dies ist keine einfache Aufgabe. Wobei vergeben nicht vergessen heißt. Vergeben heißt eher Befreiung. Die Botschaft des Evangeliums sagt uns, dass wir von Gott geliebt werden. Genauso, wie wir sind. Diese Botschaft ruft uns dann, uns selbst zuerst zu akzeptieren, so wie wir sind, damit wir anderen lieben und akzeptieren können, so wie sie sind.  Sich geliebt zu fühlen, heißt somit anderen dieses Gefühl geben zu können durch unsere Taten. Selbst wenn wir begrenzt sind, Verletzungen haben und oft nicht wissen, was wir für den anderen tun können. Diesbezüglich lädt uns Gott, im Licht seiner Gerechtigkeit zu leben und damit versuchen, andere zu lieben, wie wir uns geliebt fühlen.

Lassen wir uns durch die Vergebung und die Akzeptanz Gottes bestimmen, leibe Gemeinde, damit wir uns selbst schätzen können. Weil nur wenn wir uns schätzen, können wir auch anderen schätzen. In dieser Corona-Zeit sind sicherlich viele Frage und Konflikte entstanden, aber auch die Möglichkeiten, diese Situation mit den Augen des Glaubens zu sehen. Denn nicht das Virus, sondern das Wort Gottes hat das letzte Wort. Das Wort Gottes und seine Gerechtigkeit fundiert dann unser Verstehen, unsere Freiheit, unsere Liebe, unser Tun, unsere Hoffnung und damit unseren Alltag.  

Diesbezüglich lade ich Sie ein, die Gerechtigkeit Gottes im Glauben an Jesus Christus zu erfahren und aus unserer Erfahrung mit Gott im licht seiner Gerechtigkeit zu leben und zu kommunizieren. Im Gebet und in der Offenheit für sein Wort werden wir besser wahrnehmen können, wo und wie wir die Gerechtigkeit erfahren und praktizieren können. Amen.

Pfarrer Andrés López

 

für den letzten Sonntag im Februar mitten in der Passionszeit

Danke sagen können…

Andacht zum 28.02.2021

 

Liebe Mitlesende dieser Gedanken!

Vor einigen Tagen bekam ich einen Dankesbrief: `Danke für Ihren Einsatz in Corona-Zeiten in Ihren Gemeinden´. Einen Tag vorher hatte mir eine Kollegin erzählt, dass sich in ihrer Region  die Kita-Leitungen und evangelischen Gemeinden in der Zeitung bei den Eltern bedankt haben. Manche Eltern haben im Januar/Februar – soweit es möglich war – ihre Kinder zuhause behalten, um die Situation in den Kindergärten zu entlasten.

Ein Dankeschön zu hören tut gut, das ist mir noch einmal so deutlich geworden, als ich den Brief bekam, der an alle Gemeinden im Kirchenkreis Minden ging, also gar kein besonders persönlicher war. Dennoch: Ein „Danke“ empfangen tut gut, immer und in diesen so angestrengten Zeiten erst recht. Wofür können wir überhaupt Danke sagen? Ich denke, wenn wir uns ein bisschen Zeit nehmen, fällt Vielen etwas ein: Danke für ein Zuhören, Danke für ein lecker gekochtes Essen, Danke einfach für ein Dasein…

In diesen Wochen sind wir als Christenleute auf dem Weg zu Ostern hin: In Jesus ist Gott so nah in diese Welt gekommen. Er ist auch in das Leid, das zum Menschsein dazugehört, gekommen. Ich habe schon manches Mal gefragt, warum ich Christin bin. Ganz gewiss, weil ich gerade in harten Zeiten Nähe und Heimat in meinem Glauben fühle. Jesus hat Einsamkeit, gar Spott, Schmerzen und den Tod erlebt, daran kann ich mich festhalten – und Danke sagen. In dem Dankesbrief unseres Superintendenten stand dieses Wort mit Versen aus Psalm 119: „Meine Seele verlangte nach deiner Hilfe. Auf dein Wort habe ich ja meine Hoffnung gesetzt. Herr, dein Wort bleibt für immer, im Himmel ist es so beschlossen. Dein Wort ist eine Leuchte für meinen Fuß und ein helles Licht auf meinem Lebensweg.“ Und in einem Lied (Evangelisches Gesangbuch 644) finde ich diese Strophe: „Im Danken kommt Neues ins Leben hinein“ – für unser Gegenüber und auch für uns.

 

                          Ich wünsche uns allen eine gesegnete Passionszeit

                                                     Ihre Sabine Bade

Tel: 0571/41539  Email: JoergundSabineBadedontospamme@gowaway.web.de   Website: www.martinlutherhaus-minden.de

 

In der Passionszeit ist das Martin-Luther-Haus auch jeden Freitag bis Karfreitag (dann von 10.00 bis 11.30 Uhr) von 16.30 bis 18.00 Uhr geöffnet. In dieser Zeit gibt es auch eine halbe Stunde meditative Orgelmusik (17.00 – 17.30 Uhr).

Andacht von Pastor Andrés López zum 21.02.2021

Wort zum Sonntag

21.02.21

MLH - Minden

„Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden

Joh. 16.33

Liebe Gemeinde,

Wenn wir von der Kirche Christi Reden, wovon reden wir eigentlich? Bestimmt nicht von einer bürokratischen Institution. Denn Jesus Christus hat eine lebendige Gemeinschaft gegründet. Wir gehören auch zu ihr, indem wir die Einladung Gottes annehmen, in seiner Gnade zu leben. Damit wir alles, was wir sind und haben, als Geschenk Gottes und alltägliche Möglichkeit schätzen

Die Gemeinschaft Christi besteht im Glauben an Jesus Christus und agiert in der Kraft des Heiligen Geistes. Das heißt, wir können im Glauben an Jesus Christus das Wesentliche des Lebens sehen. Diesbezüglich sind wir angesprochen, um das, was uns konstituiert, nämlich unsern Herrn Jesus Christus zu verkünden. Dies gewinnt in Bedeutung in einer merkwürdigen Zeit wie diese, in welcher uns wir heutzutage befinden. Abstand, Stille, Isolation, Ungewissheit sind zum alltäglichen Brot geworden. Nun ist die Kirche Christi und damit sind wir alle dazu berufen, um Hoffnung zu säen. Wir wissen nicht was kommt, aber glauben daran, dass nicht der Tod, sondern die Kraft der Auferstehung, die Kraft des Lebens und damit Gott das letzte Wort hat. Wir können das Leiden und die Verluste vieler Menschen nicht erklären. Wir sind doch angesprochen, um zu helfen, zu begleiten, zu trösten und zu stärken. Vielleicht haben wir selbst keine Kraft mehr, aber dann klingt die Stimme Christi noch stärker: „Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“

Pfarrer Andrés López

Sei mir ein starker Fels - Andacht zum 14.02.2021, Sabine Bade

Liebe Mitlesende dieser Worte für Sonntag, den 14. Februar 2021!

„Sei mir ein starker Fels, dass du mir helfest!“ – dieses Wort aus Psalm 31,3 hat diesem Sonntag den Namen gegeben: Estomihi. So lautet nämlich dieser biblische Satzanfang auf Latein. „Sei mir…“ Was sind für mich starke Felsen? Gewiss sind das Menschen, die bei mir sind in Notzeiten, an denen ich mich anlehnen oder festhalten kann. Die dastehen und mich sehen. Deswegen fand ich dieses Bild auch so schön.

Ganz konkret sind das für mich Familienmitglieder: mein Mann, durchaus auch meine Kinder, Freunde, Menschen in unserer Gemeinde. Und nicht immer können wir für jemanden wie ein starker Fels sein – auch das ist gewiss wahr. Und wie ist das mit Gott? Zu dem spricht ja der Beter unseres Psalmwortes: „Sei mir ein starker Fels, dass du mir helfest!“

Dieser Sonntag Estomihi ist auch der vor Beginn der Passionszeit. Eigentlich wäre jetzt die Zeit der Narren, der Kostüme und Büttenreden, am Rosenmontag der Tag der Karnevalsumzüge. Vor einigen Tagen erzählte unsere Kita-Leitung: Ein Vater habe sie angesprochen, der Kindergarten würde doch sicherlich auch dieses Jahr Karneval feiern, und dann dürften sicherlich alle Kinder kommen. Das bräuchten die Kinder jetzt ganz dringend, ein bisschen Lachen und Fröhlichkeit. Der Vater war dann ganz enttäuscht, als er hören musste, dass das wegen Corona leider nicht gehen würde.

Einige Tage später aber fing es bei uns mit dem Schneien an. Ich sah und sehe wieder Kinder mit Eltern auf den Wegen, ich sehe Schlitten und ganz viel Lachen und Freude. Ich sehe auch Nachbarn, die über dem Schnee-Schippen mal wieder ins Gespräch kommen – auf Abstand. Und ich denke: Gott schenkt uns Leben, wir müssen immer wieder auch die Augen aufmachen.

Gott, sei uns ein starker Fels. Auch und erst recht in diesen Corona-Zeiten. Behüte uns – behüte unsere Lieben. Sei mit denen, die Leid erfahren mussten. Schenke uns die Hoffnung, dass auch diese anstrengende, ermüdende, gefährliche Zeit vorbeigeht.

Gott, sei uns ein starker Fels, dass du uns helfest.     Amen

 

                               Ihre Pastorin Sabine Bade